schlafes bruder
die seele krankt im talgrund unten
allein im alten hirtenbau.
das lufttuch, es zerfällt
in modernd feuchte fetzen.
verfault, verschimmelt und zersetzt
vom steten tau, der von den steilen gipfeln
ungetrübter ideale hinunterrinnt in seichten salen.
nicht heut zum ersten mal
tritt licht heran durch morsche ritzen
ins sonst beherrschte schattendunkel,
in das die trauernde sich kroch,
um endlich abzuschließen
und unentdeckt den ewgen lebensabend
im sterbenstreben zu erleben.
doch heut erweckt der lichteinfall
so ungewohnt, so liebevoll
mit einem sanften streich
die graue stirn der alten seel,
die längst sich aufgegeben,
und ihren müden geist
aus fett und aus jahrhunderttalg
und bricht sie auf -
selig, still und sacht -
durch kaum ein hölzern spalt.
und doch mischt sich der garstge graben
hinein in dieses lichtes lied.
der spalt, der nie versiegt und nicht
durch kampf, noch kraft, noch denkgewalt
bis heute ward bezwungen.
der spalt der sich auftut sobald
bewusstsein je beginnt,
der schmerzhaft uns erkennen lässt
des schicksals schwarz gefärbten pfeil
im dickicht menschlich irriger erfahrung
und letztlich stets gewinnt.
so schlaf ruhig weiter, tote seel,
und sei gewiss: du wirst nie frieden finden
bis in den tag, der aller tage abend.
doch tröste dich an ursprung und am ziel,
das dich selbst nicht vergisst
im talgrund drunt versteckt,
aus angst vor tiefster höh.