mono:ton

[prolog]

im stillen haus verstummt die lüge,

versagt der träume süsser tand.

wortlos tritt hier mit macht zutage,

was bisher taube ohren fand.

 

verlogen weicht der jugend glanz,

weicht sturm und drang,

weicht träge der verwegnen kampf

nach sinnstiftender rebellion

dem trüben matt der fäulnis nun,

mit der ein bildungshaupt jongliert -

als ob der lorbeern kranz noch ziert.

 

monoton, monoton dringt indes aus dem kellerspalt

halboffen, bisher wohl gehütet,

böser phantasien gewalt:

ein loch voll schwarzer depression.

nicht länger wehrt der müde geist

zermürbt, ermattet, ausgelaugt

der hirnzersetzenden substanz

und inhaliert mit jedem zug

erneut das laue leichengift;

denn toxisch wirkt isolation.

 

monoton. monoton.

ich harre, harre, harre.

aus.

im warten auf des gottes sohn.

monoton – ein sein in fron.

ist denn dein reich im kommen?

im käfig meines selbst

erschliesst sich mir der heilgen lohn.

 

monoton sitzt wälzend, fliessend, schlummernd, liegend,

immer wieder auf und ab

strinwärts gebannt ein fluchtgefühl

im seidenbett der religion.

doch regt nach lahmen stunden sich

ein bild – ich bin gebannt.

in stille träumte vor sich hin -

monoton, treu und unerkannt -

blanker, glatter stahl:

die endlösung.

in biederem karton.

 

verdeckt liegt sie von altvergessnen,

farbverlassnen pappabzügen,

den trocknen szenen welken lebensglücks.

erinnernd mögen sie nur wecken

erynnienhafte schattenwesen

im endzeitrausch vom tod entzückt.

 

schon sreicht die sanfte klinge schneidend

die roten adern gleissend beissend.

und zart tritt aus des lebens quell,

rinnt königlich wie purpur grell

triefend tief hinab

in schicksalhafter agonie

ja monoton, so monoton

der wahnvorstellung perfektion.

 

wie gläsern hängt fortan der blick

am weltenend dem zimmereck,

blassgrün getünchter angst versteck.

 

monoton. monoton.

dring tiefer ein, ich warte

nun allzu lang – obschon

die zeit mir unendlich verhasst.

denn zäh schleppt mühsam nur und schwer

tock um tock im selben takt

grausam quälend sich davon

die zeit im kleid des bordunton.

 

die zeit, urfolterinstrument,

dem gnadenlos erliegt

wer scheinbar wissend kontrolliert,

statt sich in staunender präsenz

auf ewig an dein du verliert.

 

monoton. monoton.

der bilder ruf verstummt.

opak zerbirst im dämmerlicht

das fenster zur vergangenheit;

der geist, er ist vom schauen wund,

schmerzt taub wie junger liebe leib und mund.

 

so horch denn lieber hin, herz,

wach’ lauschend auf den einen.

er zeigt dir an du bist es schon:

monoton.

monoton.